Archive for July, 2009

Relativ unbekannte Aktien bieten Anlegern oft die besten Investmentmöglichkeiten, da viele Marktteilnehmen die Sicherheit einer soliden aber vermeidlich „langweiligen“ Aktie falsch einschätzen und ein fehlendes Analysten-Coverage dem Anleger keine Kursziele liefert. Allerdings ist es sehr leicht möglich, ein Unternehmen anhand von gewissen Kennzahlen mit seinen Mitbewerbern oder dem Branchenschnitt zu vergleichen, um so eine erste Tendenz zu bekommen, was ein fairer Preis für das Unternehmen sein könnte. Auf diese Weise können Anleger gezielt nach günstig bewerteten Unternehmen suchen und durch ein langfristiges Engagement große Gewinne einfahren. Auf der anderen Seite kann man mit den gleichen Methoden auch Unternehmen identifizieren, die im Vergleich zu den Mitbewerbern schon recht ambitioniert bewertet sind.

Wir möchten Ihnen nun drei Werte vorstellen, die momentan astronomisch hoch notieren und unserer Meinung nach völlig überbewertet sind. Mutige Anleger können die Gelegenheit nutzen, um diese Papiere gezielt zu shorten. Wir meinen, es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein mittelmäßiger Quartalsbericht oder eine neue Analysteneinschätzung die Thermik bei diesen Aktien abschneiden wird. Viele Marktbeobachter werden sich dann nur eine Frage stellen: „Warum sind die Aktien so viel Geld an den Börsen wert?“

Das erste Unternehmen, das wir Ihnen vorstellen wollen, ist die Rollins Inc. (NYSE: ROL) aus Atlanta. Das Unternehmen bietet den Kunden seine Dienste an, wenn Termiten oder andere Schädlinge bekämpft werden müssen. Das wichtigste Produkt der Rollins Inc. ist das Mittel Orkin, das 66 Prozent des Unternehmensgewinns generiert. In den letzten 5 Jahren lag die Bruttomarge relativ fix im Bereich von 47,5 Prozent. Derzeit notieren die Aktien beim 20,5-fachen der erwarteten Gewinne, dem 30,7-fachens des Free Cash Flows und dem 7,4-fachen des Buchwerts. Das PEG (Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis) liegt bei 2,37. Erwähnenswert ist auch die kurzfristige Liquiditäts-Ratio, die bei nur 0,4 liegt. Das Unternehmen könnte daher gezwungen sein, sich durch die Ausgabe neuer Aktien frisches Geld zu verschaffen. Die Aktien der Rollins Inc. notierten in den letzten Monaten in einer relativ engen Handelsspanne und wurden von den jüngsten Aufschwungphasen kaum mitgerissen, was einen Absturz des Aktienkurses begünstigen dürfte.

Ein weiteres Unternehmen mit recht hohem Aktienkurs ist die Raven Industries Inc. (Nasdaq: RAVN). Das Unternehmen wird als Technologiewert geführt, das Leiterplatinen herstellt. Wenn man allerdings auf die Kunden des Unternehmens schaut, stellt sich die Frage, warum die Raven Industries Inc. so eingeordnet wurde. Das Unternehmen verkauft Produkte für den Agrarsektor sowie Plastikfolien für industrielle Anwendungen und die Baubranche. Und selbst Uniformen für das Militär findet man im Sortiment des Unternehmens. Ende Mai tätigte der Raven-CEO viele Aktienverkäufe, die zusammengefasst ein Volumen von fast 75.000 Aktien hatten. Aktuell notieren die Aktien des Unternehmens beim 16-fachen der erwarteten Gewinne, dem 3,7-fachen des Buchwerts und dem 32,9-fachen des Free Cash Flows. Die Umsätze des Unternehmens waren in den letzten Quartalen rückläufig. Aktuell wird die Raven-Aktie von den Analystenhäusern Piper Jaffray und Canaccord Adams überwacht. Die weltweite Konjunkturabkühlung könnte einen besonderen Einfluss auf die Gewinnsituation bei Raven haben, da das Geschäft des Unternehmens sehr anfällig ist, wenn sich die Wirtschaft abkühlt. Allerdings ist dieses bisher noch nicht in den Aktienkurs eingepreist worden.

Die CoStar Group Inc. (NASDAQ: CSGP) bietet Marketings- und Informationsdienstleistungen für die Immobilienbranche an. Dazu gehört auch die Dienstleistung, dass zum Verkauf stehende Objekte gelistet und Käufern angeboten werden. Die CoStar Group ist momentan mit dem 36-fachen des erwarteten Gewinns, mit dem 3,5-fachen des Umsatzes und dem 19,4-fachen des Free Cash Flows bewertet. Im letzten Quartalsbericht musste das Unternehmen eingestehen, dass die Verkäufe um 1,7 Prozent geringer ausfielen als im Vorquartal. Mit Spannung darf daher der nächste Unternehmensbericht erwartet werden, der am 22. Juli veröffentlicht wird. Immobilien sind im Moment nicht wirklich heiß, auch wenn immer mehr Zeichen dafür sprechen, dass die Branche nun einen Boden gefunden hat. Immer noch werden relativ wenige Immobilien verkauft, und immer noch werden viele Darlehen abgelehnt. Überall hört man von Immobilienmaklern, dass die Verkäufe und die damit verbundenen Provisionen rückläufig sind. Vor diesem Hintergrund verwundert es schon, dass die CoStar Group-Aktie eine so hohe Kursregion bisher verteidigen konnte.

FAZIT:

Nicht nur steigende Aktienkurse füllen das Konto der Anleger, auch mit Spekulationen auf fallende Kurse kann man viel Geld verdienen. Wir meinen, dass die von uns vorgestellten Unternehmen eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit aufweisen, dass deren Aktienkurs in den nächsten Wochen nach unten korrigieren könnte. Mutige Anleger können daher die Chance nutzen, um im Rahmen von Shortspekulationen auf diese Kursrücksetzer zu spekulieren. Da es jedoch immer zu einer Short Squeeze kommen kann, möchten wir nur sehr risikobereiten Anlegern zu einem solchen Engagement raten.

Am amerikanischen Aktienmarkt hielt die Talfahrt auch in der vergangenen Woche weiter an. Demnach verzeichnete der Dow Jones mit einem Minus von gut 1,6 Prozent den vierten Wochenrückgang in Folge. Ursache für die schlechte Entwicklung waren erneute Ängste über den Zustand der US-Wirtschaft. Demnach machten Gerüchte die Runde, dass ein weiteres Konjunkturpaket seitens der US-Regierung notwendig sei, um die US-Wirtschaft nachhaltig zu stützen. Zudem belastete die eingeläutete Berichtssaison die Marktstimmung. Hierbei trat mit Alcoa der erste US-Bluechip mit seinen Quartalszahlen an die Öffentlichkeit. Mit den neuen Daten von Alcoa wurde deutlich, dass sich die Weltwirtschaft nachwievor in einer schweren Krise befindet. Demnach verlor das Unternehmen im Zeitraum von April bis Juni fast eine halbe Milliarde US$. Zudem musste ein Umsatzrückgang auf 4,2 Mrd. US$ nach 7,2 Mrd. US$ im Vorjahreszeitraum verzeichnet werden. An der Börse konnte die Alcoa-Aktie kurzzeitig sogar positiv auf die Zahlen reagieren, da von der Analystenseite teilweise noch schlechtere Werte erwartet wurden. Im Wochenvergleich gab das im Dow Jones gelistete Papier allerdings um 5,5 Prozent nach.

In Deutschland konnte sich der Aktienmarkt von den schlechten US-Vorgaben nicht lösen. Demnach verzeichnete der deutsche Leitindex DAX ein Wochenminus von 2,8 Prozent. Mit SAP und der Deutschen Bank konnten sich nur zwei Aktien dem Abwärtstrend entziehen. Hingegen war die Liste der Verlierer im DAX sehr lang. Unter Abgabedruck standen mit einem Kursminus von über 10 Prozent vor allem die Aktien der Hannover Rück, welche schon bald wieder aus dem DAX absteigen könnten. Hingegen stehen die Chancen für den Halbleiterkonzern Infineon nicht schlecht, schon bald wieder in den deutschen Leitindex aufzusteigen. Dank einer Kapitalerhöhung, an welcher sich der US-Finanzinvestor Apollo beteiligen wird, könnte es der Konzern erneut schaffen, die Kriterien für die Aufnahme in den DAX zu erfüllen. Infineon-Aktien konnten in der vergangenen Woche gegen den Trend ein Kursplus von fast 12 Prozent verzeichnen.